Cervus elaphus
Der Rothirsch: zwei Gesichter im Jahreslauf
Im Frühling trägt er ein weiches, samtenes Geweih. Im Herbst wird daraus die Waffe der Brunft. Zieh den Regler, um beide Seiten zu sehen.
Vom Bast zum Kampfgeweih
Das Geweih ist echtes Knochengewebe: Es wird jedes Jahr zwischen Februar und April abgeworfen und bis zum Herbst komplett neu gebildet.
Frühling · Bast
Herbst · Brunft
Die Paarungszeit liegt zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Hirsche können dabei bis zu 20 % ihres Körpergewichts verlieren, weil sie kaum noch fressen.
Nach rund acht Monaten Tragzeit bringt das Weibchen im Juni meist ein einzelnes Kalb zur Welt.
Was während der Brunft wirklich passiert
Der heisere, weithin hörbare Brunftschrei ist mehr als nur Lärm: Er ist eine Ansage an jeden rivalisierenden Hirsch in Hörweite. Ein tiefer, kraftvoller Schrei signalisiert Stärke und Kondition, ohne dass es überhaupt zum Kampf kommen muss. Erst wenn zwei etwa gleich starke Hirsche sich durch Schreien nicht einschätzen können, kommt es zum direkten Kräftemessen: Geweih an Geweih schieben sich beide Tiere gegeneinander, bis einer nachgibt. Ernsthafte Verletzungen sind dabei selten, aber nicht ausgeschlossen: Gelegentlich verhaken sich zwei Geweihe so ineinander, dass sich die Tiere nicht mehr lösen können.
Außerhalb der Brunftzeit leben Rothirsche in nach Geschlechtern getrennten Gruppen: Hirsche schließen sich zu lockeren Junggesellenverbänden zusammen, während Weibchen mit ihren Kälbern in Rudeln unterwegs sind, angeführt von einer erfahrenen Leitkuh. Als Wiederkäuer ernähren sich Rothirsche von Gräsern, Kräutern, Knospen und Rinde, wobei sich der Speiseplan mit der Jahreszeit deutlich verschiebt, ein weiterer Grund, warum ein Rothirsch im Winter oft deutlich schlanker wirkt als im Spätsommer.
Ein Geweih, das jedes Jahr größer wird
Ein wenig bekanntes Detail: Das Geweih eines jungen Hirsches unterscheidet sich deutlich von dem eines ausgewachsenen Tieres. Die ersten Geweihe sind meist noch einfache Spieße ohne Verzweigung; erst mit den Jahren kommen mit jeder neuen Geweihbildung weitere Enden hinzu, bis ein Hirsch im besten Alter ein voll ausgeprägtes, stark verzweigtes Geweih trägt. Nach dem Höhepunkt in der Lebensmitte nimmt die Zahl der Enden im hohen Alter oft wieder ab, ein Muster, das erfahrene Jäger und Wildtierbeobachter nutzen, um das ungefähre Alter eines Tieres zu schätzen.
Rotwild kommt heute vor allem in größeren, zusammenhängenden Waldgebieten Deutschlands vor, etwa in Mittelgebirgen und größeren Forstrevieren, da die Tiere vergleichsweise große, störungsarme Lebensräume benötigen. In dicht besiedelten, waldarmen Regionen ist der Rothirsch entsprechend seltener anzutreffen als etwa der anpassungsfähigere Rotfuchs.
Außerhalb der Brunftzeit leben Rothirsche meist in getrennten Rudeln: Hirsche unter sich, Hirschkühe mit ihren Kälbern unter sich. Erst zur Brunft im Herbst lösen sich diese Gruppen kurzzeitig auf, bevor sich im Winter wieder ähnliche Verbände zusammenfinden.
Häufig gestellte Fragen
Wann wirft der Rothirsch sein Geweih ab?
Zwischen Februar und April, bis zum Herbst wächst ein komplett neues Geweih nach.
Wann ist die Brunftzeit des Rothirschs?
Zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Hirsche können dabei bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts verlieren.
Wie viele Kälber bringt eine Hirschkuh zur Welt?
Nach rund acht Monaten Tragzeit meist ein einzelnes Kalb, im Juni.
Wo lebt der Rothirsch in Deutschland?
Vor allem in größeren, zusammenhängenden Waldgebieten wie Mittelgebirgen, da die Tiere große, störungsarme Lebensräume benötigen.