Erithacus rubecula
Das Rotkehlchen: der Vogel, der bleibt
Früher ein Zugvogel, heute für viele Populationen ein "Standvogel": Das Rotkehlchen singt oft sogar im Winter.
Ein Vogel, der sein Verhalten ändert
Viele deutsche Rotkehlchen-Populationen sind heute ganzjährig ansässig, statt wie früher nach Süden zu ziehen. Manche Weibchen überwintern aber weiterhin in Spanien oder Portugal.
Rotkehlchen singen fast das ganze Jahr über und beginnen oft schon eine Stunde vor Sonnenaufgang.
Im Winter verteidigen Männchen und Weibchen getrennte eigene Reviere, mit Gesang statt mit Kämpfen.
Das Rotkehlchen (oben links) neben anderen heimischen Singvögeln, wie man sie oft gemeinsam in Museumsvitrinen findet.
Warum der Gesang im Winter so auffällt
Im Winter ist es um die meisten heimischen Singvögel auffallend still. Viele Arten sparen sich den energieaufwendigen Gesang für die Balz im Frühjahr auf. Das Rotkehlchen bricht bewusst mit dieser Regel: Weil es sein Revier ganzjährig verteidigt statt nur zur Brutzeit, muss es auch im Winter akustisch klarmachen, wem ein bestimmtes Gebüsch gehört. Genau das macht seinen Gesang an einem stillen Wintermorgen so unverwechselbar: Er ist oft der einzige Vogelgesang weit und breit.
Äußerlich ist das Rotkehlchen an seiner orange-roten Brust und Kehle kaum zu verwechseln, auch wenn Jungvögel diese Färbung erst nach der ersten Mauser ausbilden. Als Bodenbrüter versteckt es sein napfförmiges Nest gut getarnt in Bodennähe, oft zwischen Wurzeln oder in dichtem Unterwuchs, und ernährt sich überwiegend von Insekten, Spinnen und im Herbst auch von Beeren.
Nicht jedes Rotkehlchen bleibt
Auch wenn immer mehr Rotkehlchen in Deutschland überwintern, ziehen längst nicht alle Populationen das ganze Jahr am selben Ort. Vögel aus nördlicheren und östlicheren Teilen Europas legen weiterhin regelmäßig weite Strecken zurück und überwintern in milderen Regionen Westeuropas. Das führt zu einem interessanten Nebeneffekt: Ein Rotkehlchen, das man im Winter im eigenen Garten beobachtet, muss nicht dasselbe Individuum sein, das dort im Sommer gebrütet hat, es könnte ebenso gut ein nordischer Wintergast sein.
In der europäischen Kulturgeschichte genießt das Rotkehlchen seit Langem einen besonderen Ruf als vertrauter Gartenvogel und ist fest mit der Winter- und Weihnachtszeit verknüpft, was seine auffällige Präsenz gerade in der kalten Jahreszeit nur noch verstärkt.
Diese Vertrautheit ist kein Zufall: Rotkehlchen zeigen gegenüber Menschen im eigenen Garten oft erstaunlich wenig Scheu und nähern sich neugierig, sobald frisch umgegrabene Erde neue Insekten und Würmer freilegt, ein Verhalten, das sich ursprünglich vermutlich an großen Wildtieren wie Wildschweinen entwickelt hat, die auf ähnliche Weise den Boden aufwühlen.
Häufig gestellte Fragen
Warum singt das Rotkehlchen auch im Winter?
Weil es sein Revier ganzjährig verteidigt statt nur zur Brutzeit. Im Winter ist sein Gesang oft der einzige weit und breit.
Zieht das Rotkehlchen noch nach Süden?
Viele deutsche Populationen sind heute ganzjährig ansässig, manche Vögel aus nördlicheren Teilen Europas überwintern aber weiterhin in milderen Regionen Westeuropas.
Wie erkennt man ein Rotkehlchen?
An der orange-roten Brust und Kehle. Jungvögel bilden diese Färbung erst nach der ersten Mauser aus.
Warum sind Rotkehlchen im Garten so zutraulich?
Sie nähern sich neugierig frisch umgegrabener Erde, ein Verhalten, das sich ursprünglich vermutlich an großen Wildtieren wie Wildschweinen entwickelt hat.