Nr. 012 · Museumsporträt · Erscheint Oktober 2026

Mumie im Senckenberg Naturmuseum: selten, mit erhaltener Hautstruktur

Europas größte Dinosaurier-Ausstellung beherbergt seit über 100 Jahren ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fossil mit sichtbarer Hautstruktur.

Eine Mumie im Senckenberg Naturmuseum

Die Mumie im Senckenberg Naturmuseum trägt den Namen Edmond und gilt als eine der seltensten Ausstellungsstücke ihrer Art in Europa. Wer eine Mumie im Senckenberg Naturmuseum erwartet, denkt meist an ägyptische Funde. Hier ist damit stattdessen ein Dinosaurier gemeint, dessen Haut über Jahrmillionen erhalten blieb.

Ein Fossil, das die Haut zeigt

Edmond, die mumifizierte Edmontosaurus-Mumie
EDMOND

Die als "Edmond" bekannte Edmontosaurus-Mumie zeigt an mehreren Stellen erhaltene Hautstrukturen, ein seltener Fund, der seit über 100 Jahren ausgestellt wird.

DIPLODOCUS

Ein Diplodocus-Skelett kam 1907 als Geschenk des American Museum of Natural History nach Frankfurt.

OFFIZIELLE WEBSITE

museumfrankfurt.senckenberg.de: Öffnungszeiten und Tickets direkt beim Museum.

Warum erhaltene Hautstruktur so selten ist

Edmontosaurus gehörte zur Gruppe der Entenschnabeldinosaurier: großen, auf allen vieren wie auch zweibeinig laufenden Pflanzenfressern, die vermutlich in Herden durch das Nordamerika der späten Kreidezeit zogen. Weichteile wie Haut vergehen normalerweise binnen weniger Wochen nach dem Tod eines Tieres, lange bevor eine Versteinerung überhaupt beginnen kann. Damit überhaupt Hautstrukturen erhalten bleiben, muss ein Kadaver ungewöhnlich schnell von Sediment bedeckt werden, ohne dass Aasfresser oder Verwesung vorher ihr Werk tun, eine Verkettung von Zufällen, die eine "Mumie" wie Edmond zu einem der seltensten Fundtypen der gesamten Paläontologie macht.

Für die Forschung sind solche Funde außergewöhnlich wertvoll: Aus erhaltener Hautstruktur lassen sich Rückschlüsse auf Schuppenmuster, Oberflächentextur und mitunter sogar auf die Beweglichkeit bestimmter Körperregionen ziehen, Informationen, die aus reinen Knochenfunden niemals zu gewinnen wären.

Ein Museum, das auf Fülle statt auf ein einzelnes Wunder setzt

Während andere Häuser oft mit einem einzelnen Ausnahmefund werben, verfolgt das Senckenberg Naturmuseum bewusst eine andere Strategie: eine möglichst dichte, zusammenhängende Abfolge kompletter Dinosaurierskelette, die gemeinsam ein Bild vom Leben der späten Kreidezeit und früherer Erdzeitalter zeichnen. Diese Fülle an nebeneinander aufgebauten Skeletten erlaubt es Besuchern, Größenverhältnisse und Körperbauformen verschiedener Arten direkt miteinander zu vergleichen, ein Effekt, der sich bei einem einzelnen, isoliert präsentierten Fund nicht einstellt.

Träger des Museums ist die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, eine der ältesten naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands, die neben dem Frankfurter Ausstellungshaus auch eigene Forschungsstationen und Sammlungen an anderen Standorten unterhält. Die Ausstellung in Frankfurt ist damit nur die sichtbare Oberfläche eines deutlich größeren wissenschaftlichen Betriebs im Hintergrund.

Wer Edmond gesehen hat, sollte sich auch etwas Zeit für die umliegenden Säle nehmen: Skelett neben Skelett vermittelt hier ein Gefühl für die schiere Formenvielfalt der Dinosaurier, von kompakten, wendigen Arten bis zu den langhalsigen Riesen, die den Raum förmlich zu sprengen scheinen.

Für Familien mit jüngeren Kindern lohnt sich außerdem ein Blick auf das museumseigene Vermittlungsprogramm: Viele Naturkundemuseen dieser Größenordnung bieten spezielle Kinderführungen oder Entdeckerbögen an, die gezielt durch die Dinosauriersäle führen und dabei auch für sehr junge Besucher verständlich bleiben.

Wer nach Edmond und den Dinosauriersälen noch Zeit hat, findet in den angrenzenden Räumen weitere Sammlungsteile zu heutigen Tier- und Pflanzenwelten, ein Kontrast, der den zeitlichen Abstand zwischen der Kreidezeit und der Gegenwart noch einmal deutlich spürbar macht.

Weltweit sind vergleichbare Funde extrem selten, weshalb die Mumie im Senckenberg Naturmuseum zu den am häufigsten zitierten Ausstellungsstücken ihrer Art zählt. Wer einmal verstanden hat, wie selten erhaltene Hautstruktur bei einem Dinosaurierfossil überhaupt ist, betrachtet Edmond mit ganz anderen Augen.

Häufig gestellte Fragen

Wer ist Edmond?

Eine als „Edmond" bekannte, mumifizierte Edmontosaurus-Mumie mit erhaltener Hautstruktur, ein extrem seltener Fundtyp.

Warum ist erhaltene Dinosaurier-Haut so selten?

Weichteile vergehen normalerweise binnen Wochen. Nur eine sehr schnelle Einbettung in Sediment ohne Aasfresser erhält Hautstrukturen.

Was zeigt Senckenberg Frankfurt sonst noch?

Die größte zusammenhängende Dinosaurier-Ausstellung Europas, darunter ein Diplodocus-Skelett, das 1907 als Geschenk des American Museum of Natural History aus New York kam.

Wer trägt das Senckenberg Naturmuseum?

Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, eine der ältesten naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands.