Stuttgart: der Steinheim-Schädel
Ein rund 300.000 Jahre alter Schädel früher Menschen und eine der bedeutendsten Bernstein-Sammlungen Europas.
Zwei Fenster in die Vergangenheit
Der etwa 300.000 Jahre alte Schädel gehört zu den wichtigsten Funden früher Menschen in Europa.
Die Bernstein-Sammlung des Museums zählt zu den europaweit bedeutendsten, manche Stücke enthalten eingeschlossene Insekten.
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Ein Gesicht aus der Menschheitsgeschichte
Schädelfunde wie der Steinheim-Schädel gehören zu den seltensten und wertvollsten Belegen der frühen Menschheitsgeschichte überhaupt, weil Schädelknochen weit häufiger vergehen als robustere Skelettteile. Aus Form und Größe eines solchen Fundes lassen sich Rückschlüsse auf Gehirnvolumen, Gesichtsform und Verwandtschaftsverhältnisse zu anderen frühen Menschenformen ziehen, ein Puzzlestück, das hilft, den langen und verzweigten Stammbaum der Gattung Homo genauer zu rekonstruieren.
Bernstein: eingeschlossene Momentaufnahmen
Bernstein entsteht aus dem Harz von Bäumen, das langsam aushärtet und über Jahrmillionen unter Sedimentschichten zu einem fossilen Feststoff wird. Was Bernstein wissenschaftlich so besonders macht, ist seine Fähigkeit, kleine Organismen wie Insekten oder Pflanzenteile einzuschließen und dabei dreidimensional zu konservieren, oft bis in feinste anatomische Details, die bei anderen Fossilisationsarten längst verloren gegangen wären. Jedes Stück Bernstein mit einem Einschluss ist damit im Grunde eine winzige, versiegelte Momentaufnahme aus einem Wald, den es seit Jahrmillionen nicht mehr gibt.
Zwei Sammlungen, ein gemeinsamer Gedanke
Auf den ersten Blick haben ein Menschenschädel und ein Stück Bernstein wenig gemeinsam. Auf den zweiten Blick verbindet beide Sammlungsschwerpunkte des Stuttgarter Hauses dieselbe Grundidee: extrem seltene Momente der Erhaltung sichtbar zu machen, die unter normalen Umständen längst verloren gegangen wären. Ob ein einzelner Schädel aus einer Zeit, in der noch mehrere Menschenformen nebeneinander existierten, oder ein Insekt, das vor Jahrmillionen in Harz eingeschlossen wurde: Beide Funde sind Ausnahmen von der Regel, dass die meiste Vergangenheit spurlos vergeht.
Für Besucher lohnt es sich deshalb, beide Sammlungsteile nicht isoliert zu betrachten, sondern als zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Was braucht es, damit ein winziger Ausschnitt der Vergangenheit tatsächlich bis heute überdauert?
Neben Schädel und Bernstein lohnt sich in Stuttgart auch ein Blick auf die geologischen und zoologischen Sammlungsteile des Hauses, die die beiden Schwerpunkte um weitere Zeitfenster der Erdgeschichte ergänzen: von frühen Meereslebewesen bis zu eiszeitlichen Großtieren, die einst durch dieselbe Region zogen.
Wer sich für die Zeitspanne zwischen den beiden Ausstellungsschwerpunkten interessiert, findet in den übrigen Sälen zusätzliche Anknüpfungspunkte, ein guter Anlass, dem Haus mehr als nur einen kurzen Zwischenstopp zu widmen und in Ruhe von einem Zeitalter ins nächste zu wandern.
Für Familien mit Kindern lohnt sich außerdem ein gezielter Blick auf das museumseigene Vermittlungsangebot: Führungen und Entdeckerbögen, die speziell auf den Steinheim-Schädel oder die Bernstein-Sammlung zugeschnitten sind, machen auch komplexere erdgeschichtliche Zusammenhänge für jüngere Besucher greifbar.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Steinheim-Schädel?
Ein rund 300.000 Jahre alter Schädel früher Menschen, einer der wichtigsten Funde dieser Art in Europa.
Was zeigt die Bernstein-Sammlung in Stuttgart?
Bernstein mit eingeschlossenen Insekten, entstanden aus Baumharz, das über Jahrmillionen zu einem fossilen Feststoff wird.
Was verbindet Schädel und Bernstein in dieser Sammlung?
Beide sind extrem seltene Momente der Erhaltung, die unter normalen Umständen längst verloren gegangen wären.
Zeigt Stuttgart auch andere Sammlungsteile?
Ja, geologische und zoologische Sammlungen von frühen Meereslebewesen bis zu eiszeitlichen Großtieren.